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Unser Aufruf ist online!

Ohne unsere Arbeit würde sich auf dieser Welt kein Rad mehr drehen:

Wir haben die Macht, die Welt anzuhalten und sie grundlegend zu verändern!

Aufruf zum internationalen 8. März-Streik

Der 8. März ist der internationale Frauenkampftag. Seit Jahrzehnten gehen wir an diesem Tag auf die Straße, um unsere Erfahrungen und die gesellschaftlichen Missstände sichtbar zu machen, denen wir täglich ausgesetzt sind. Wir sind Frauen, Lesben, nicht-binäre, trans und inter Personen und wir sind Teil einer internationalen Bewegung. Auch im letzten Jahr gab es weltweite Proteste. Dabei demonstrierten Millionen von Menschen weltweit. Allein in Hamburg waren es 10.000 Teilnehmer*innen[1]. Auch 2020 werden wir hier und in aller Welt diese Erfolge weiterführen und erneut die Spülbecken voll und die Bürostühle leer lassen: Wir werden demonstrieren und wir werden streiken!

Was macht uns wütend?

Seit Jahren beobachten wir mit Sorge, dass Feminizide[2] verharmlost und als angebliche „Beziehungstaten“ abgetan werden. Allein im Jahr 2018 sind dadurch in Hamburg 9 Frauen und trans Personen getötet worden. Ständig hören wir sexistische, homosexuellen- und transfeindliche Kommentare, werden unterdrückt und ausgebeutet durch die patriarchalen Verhältnisse. Unsere Arbeit wird gering geschätzt und unsichtbar gemacht: Noch immer verdienen wir durchschnittlich 22% weniger als cis-Männer[3]. Zuhause übernehmen wir unzählige Stunden an unbezahlter Erziehungs-, Haushalts- und Pflegearbeit. Im Alter sind wir häufig von Armut betroffen, weil wir  mit unserer Rente nicht über die Runden kommen. Wie selbstverständlich sollen wir die emotionale Unterstützung aller Menschen in unserem Umfeld leisten und im Zweifelsfall dabei unsere eigenen Bedürfnisse zurückstellen. So verschieden wir sind, wir sind alle Arbeiter*innen! Ob mit Kugelschreiber, Schraubenschlüssel, Computer oder Besen in der Hand, ob wir dafür Lohn bekommen oder nicht: Von uns wird erwartet, dass wir klaglos, unbeachtet und bereitwillig alle diese Arbeiten übernehmen. Was uns also vereint, ist die Kraft unsere entlohnte und nicht entlohnte Arbeit niederzulegen!

Wer sind wir?

Wir sind sehr unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Kontexten. Wir sind stark in unserer Vielfalt und  fordern das Recht auf ein freies Leben in einer Gesellschaft, die gleiche Rechte für alle garantiert. Am 8. März werden wir auf die Straße gehen, um das sichtbar zu machen, was sonst im Privaten verschwindet und einen uns verbindenden Ausdruck für unsere Erfahrungen zu finden, die sonst vereinzelt bleiben. Wir werden für eine Gesellschaft eintreten, in der alle haben, was sie brauchen und in der alle ohne Angst verschieden sein können. Denn wir wollen keine gleichberechtigte Teilhabe an einem System, das auf Konkurrenz, Diskriminierungen und Ausbeutung von Mensch und Umwelt basiert. Wir kämpfen für einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel und einen antikapitalistischen Feminismus.

Was wollen wir?

Der Streik ist eine Chance, verschiedene Kämpfe zusammenzuführen und solidarisch gemeinsam aktiv zu werden. Wir kämpfen für eine Welt, in der wir unseren Fähigkeiten und unseren Bedürfnissen entsprechend arbeiten können und jede Arbeit wertgeschätzt wird. Wir machen unsichtbare und unbezahlte Arbeit sichtbar. Wir politisieren Beziehungs- und Familienzusammenhänge, denn das Private ist politisch. Wir wollen selbst bestimmen, ob, wann und wie wir arbeiten, denn jede Sekunde unseres Tages ist unsere Zeit.

Wir fordern die gesellschaftliche Anerkennung und materielle Aufwertung von Berufen im Care-Bereich, wie der Pflege, Erziehungs- und Reinigungsarbeit. Wir stellen uns gegen die Kriminalisierung von Sexarbeiter*innen. Wir stehen für eine Gesellschaft ein, in der wir alle ein gutes und sicheres Leben führen können!

Wir sind solidarisch mit den Kämpfen von trans, inter und nicht-binären Personen auf der ganzen Welt, denn nur wir bestimmen unser Geschlecht. Wir lassen uns nicht vorschreiben, wie wir auszusehen, uns zu verhalten oder uns zu kleiden haben – und erst Recht lassen wir uns nicht dafür angreifen oder beschimpfen. Wir brauchen keinen Schutz vor cis-Männern, wir fordern ein Ende jeder Gewalt.  Jeder Angriff auf einzelne von uns ist ein Angriff auf uns alle!

Wir entscheiden selbst, ob oder mit wem wir wann Sex haben und wen wir lieben. Wir kämpfen dafür, selbst über unsere Körper zu bestimmen. Wir entscheiden, ob und wann wir schwanger werden wollen oder wann wir abtreiben lassen!

Wir lassen uns nicht weiter rassistisch diskriminieren oder als ‚exotische Schönheiten‘ sexualisieren. Ob ihr unsere Namen aussprechen könnt oder nicht, wir werden uns nicht anpassen. Unser Feminismus bleibt antirassistisch!

Wir treten für eine Gesellschaft ein, in der sich jede*r frei bewegen kann und niemand gehindert wird; in der geflüchtete und behinderte Frauen, Lesben, nicht-binäre, trans und inter Personen einen gesicherten Aufenthaltsstatus und ein sicheres und menschenwürdiges Zuhause haben!

Wir kämpfen für eine Gesellschaft jenseits von Nationalitäten und Grenzen. Wir sagen Antifeminismus, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und antimuslimischen Rassismus den Kampf an!

Was bedeutet also Streik?

Ob es ein politisches Streikrecht in Deutschland gibt ist umstritten. Deshalb müssen wir umso  kreativer werden! Es gibt viele Möglichkeiten sich einzubringen. Halten wir zusammen und machen uns gemeinsam sichtbar. Streik als Form der politischen Auseinandersetzung zu stärken, uns nicht nur mit Appellen an Politik und Arbeitgeber*innen zu begnügen, ist nach wie vor ein wirkungsvolles Mittel, um unsere Ziele durchzusetzen. Die Ausdrucksformen sind dabei vielfältig: Von der Weigerung Kaffee zu kochen oder nicht aufzuräumen bis hin zur Lohnarbeitsverweigerung ist alles möglich.

Werden wir aktiv und organisieren uns! Rufen wir Schüler*innen-Versammlungen, Betriebs- und Behindertenwerkstattversammlungen sowie Jugend- und Auszubildenden-Versammlungen ein. Reden wir mit Kolleg*innen, Freund*innen, Großmüttern, Müttern, Tanten und Schwestern.

Wir alle können rund um den 8. März gemeinsam streiken. Üben wir Druck auf die Politik aus, demonstrieren auf den Straßen und vereinnahmen öffentliche Plätze.  Lasst uns, wie unsere Vorgänger*innen und Mitstreiter*innen, mit allen nötigen Mitteln für ein gutes Leben für alle kämpfen. Auf dass unsere Arbeit sichtbar wird, unsere Forderungen durchgesetzt werden und der öffentliche Raum uns allen gehört! 

Bis jeder Tag 8. März ist! Schließt euch an!


[1]Das Gender-Sternchen verweist generell auf den Konstruktionscharakter von Geschlecht und soll Raum für eine eigene Definition geben.

[2]„Feminizid“ oder auch „Femizid“ bezeichnet einen geschlechterbasierten Mord an Frauen, nicht-binäre, trans und inter Personen mit und ohne Behinderungen.

[3]Cis-Männer sind die Männer, die schon bei ihrer Geburt als Männer eingeteilt wurden und sich damit identifizieren. Auch Trans-Männer sind Männer, haben aber nicht die gleichen Privilegien, sondern erfahren Unterdrückung.

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